Mittelalter-ArchäologieDas Rätsel der toten Katzen the north face jacke

ArchäologieMittelalter-Archäologie: Das Rätsel der toten Katzen

Katzen fangen Mäuse – deshalb wurden sie für den Menschen einst zum beliebten Begleiter. Doch archäologische Untersuchungen zeigen: Im Mittelalter ging es den Tieren wohl häufig an den Kragen.


Jörg Römer

Jahrgang 1974, aufgewachsen in der Republik Côte d’Ivoire und in Ostwestfalen, studierte in Hamburg Mesoamerikanistik, Lateinamerikastudien sowie Vor- und Frühgeschichte. Nebenbei Tätigkeit als freiberuflicher Altenpfleger sowie als freier Journalist. Volontariat bei der Hamburger Presseagentur Public Address, hat dort das Bewegtbildressort aufgebaut. Hospitanzen und Praktika bei “Bild Hamburg”, SPIEGEL ONLINE. Ab 2012 Stationen als freier Redakteur in den Ressorts Sport und beim KarriereSPIEGEL. Seit Oktober 2015 Redakteur bei SPIEGEL ONLINE im Ressort Wissenschaft/Gesundheit.


Arabische Schriftsteller lieferten im Mittelalter ein geradezu kuscheliges Bild der Katze: Sie sei ein bescheidenes und liebevolles Tier, das einst zur Vertreibung der Mäuse geschaffen worden sein müsse, schrieben sie. Tatsächlich dürfte ihr Appetit auf Nager der wichtigste Grund für die Domestizierung der Katze gewesen sein.


Doch spanische Archäologen fanden nun bei einer Grabung noch andere. Dafür untersuchten die Forscher um Lluís Lloveras von der Universitat de Barcelona einen Fundort nahe der katalanischen Metropole: El Bordellet wurde zufällig bei Straßenbauarbeiten gefunden, 2010 fanden erste Grabungen statt. Dabei interessierten die Altertumswissenschaftler vor allem Abfallgruben. Eine übliche Vorgehensweise – schließlich findet sich im Müll so mancher Gegenstand the north face rucksack, der etwas über das Leben seines Besitzers verrät.


Im Fokus der Forschung standen neun Gruben, die in die Zeit gegen Ende des zehnten Jahrhunderts nach Chr. datiert wurden. Darin befanden sich neben zerbrochenen Tongefäßen und Holzkohleresten auch Tierknochen – von Schaf, Ziege, Kuh, Schwein, Pferd und oder Hunden. Alles archäologischer Standard.

Auffällig aber war ein etwa 75 Zentimeter tiefes Loch: Auf dem Grund entdeckten die Archäologen ungewöhnlich viele Knochen von Hauskatzen, insgesamt fast 900 Stück. Sie gehörten zu neun Katzen. Was war mit den Tieren passiert? Wurden sie verspeist?


Die Forscher fanden eine andere Antwort: Anordnung und Art von Schnittspuren auf den Knochen deute darauf hin, dass die Tiere gehäutet wurden, schreiben die Forscher im “International Journal of Osteoarchaeology”. Sie verglichen die Spuren mit denen aus Häutungsexperimenten von Kollegen. Besonders die gefundenen Schnitte am Schädel und Unterkieferknochen entstehen typischerweise, wenn man den Tieren das Fell über die Ohren zieht.

Die Katzen waren zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen neun und 25 Monaten alt. “Wir vermuten, dass sie sich in diesem Alter ideal für die Fellproduktion geeignet haben. Dann sind sie ausreichend groß, aber das Fell war noch frei von Parasiten, Krankheiten oder anderen Schäden”, schreibt Lloveras. Von den Fellen selbst blieben dagegen keine Spuren erhalten.

Dass Katzen im Mittelalter vor allem in Nordeuropa auch als Pelzlieferanten beliebt waren, hatten Forscher schon früher entdeckt. In Cambridge fanden Archäologen die Reste von fast 80 Katzenskeletten in einem Brunnen aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurden wohl alle auf einmal in den Schacht geworfen, nachdem ihnen die Kehlen durchgeschnitten worden waren. Auch hier entdeckten die Altertumsforscher die typischen Kratzspuren für Häutungen an den Schädeln. Ähnliche Funde machten Forscher in anderen englischen Ortschaften.

Leben als Streicheltierchen bei Hof

Ebenfalls im 13. Jahrhundert ging es Miezekatzen in Höxter an den Kragen. Und auch in der bekannten Wikingersiedlung Haitabu, unweit von Schleswig gelegen, mussten Katzen im frühen Mittelalter wohl wegen ihres Fells sterben.

Dass Kleidung aus Katze durchaus im Mittelalter-Trend lag, zeigte sich auch in schriftlichen Quellen. So erließt der Erzbischof von Canterbury 1127 ein Dekret, das Nonnen und Äbte zum Sparen anhielt. Demnach war Kleidung aus Lamm- oder Katzenfell für den einfachen Klerus gerade noch schicklich. Wertvollere Pelze durften es für die Umhänge, die Ordensschwestern im Winter trugen, dagegen nicht sein.

Katze galt mithin als Klamotte von der Stange. “Sie wurde eher von einfachen Menschen getragen. Die Aristokratie hat sowas nicht angezogen”, sagt der Archäologe Umberto Albarella von der University of Sheffield. Besonders Kopfbedeckungen, Pelzbesätze oder Handschuhe seien aus den Tieren gemacht worden – für ein Paar Handwärmer reichte bereits eine Katze.


Meist hatten es die Pelzhandwerker auf Hauskatzen abgesehen. Die dürften einfacher zu beschaffen gewesen sein als die etwas größeren, scheuen Wildkatzen. Doch verwertet wurde, was man kriegen konnte. Für den Pelzhandel waren die Tiere allerdings eher zweitrangig – hier verdiente man besser mit wertvolleren Wildtieren. Zobel und Hermelin etwa brachten Höchstpreise.

Dennoch blieb das Haarkleid von Katzen noch viele Jahrhunderte beliebt, auch wenn in einigen deutschen Kürschnerzünften die Verarbeitung zeitweise als wenig ehrenhaft galt. Kein Wunder, hatten Katzenliebhaber doch bereits im Mittelalter mehr und mehr erkannt, wie angenehm die Nähe zu den Tieren ist. In England genossen die ersten Katzen ab dem 10. Jahrhundert ein Leben als Streicheltierchen bei Hof.


Die Domestizierung der Katze begann vor etwa 9500 Jahren. Frühe Funde wurden sowohl auf dem Gebiet der heutigen Türkei, in Jordanien sowie auf Zypern gemacht. Auch im alten Ägypten konnten die Tiere schon in der Nähe von Menschen nachgewiesen werden. Vermutlich lernten Katzen irgendwann, dass sie sich in der Nähe von Siedlungen zusätzlich von Abfällen ernähren konnten. Echte Freundschaft entstand aber erst mit Beginn der Landwirtschaft – nun profitierte andersherum auch der Mensch: Katzen waren nun als Vernichter von Mäusen und Ratten gefragt, die die Ernten fraßen. Zudem wurden die Tiere wohl bald auch als Begleiter geschätzt: Dass auf Zypern schon vor 9500 Jahren eine Katze mit ins Grab gelegt wurde, wurde auch als Zeichen der Zuneigung zwischen Mensch und Tier interpretiert. Im alten Ägypten mumifizierte man Katzen zudem aufwendig – und legte Spielzeug mit ins Grab. Wie wurden Katzen gezähmt? Neueste DNA-Analysen ergaben, dass Katzen in zwei Wellen gezähmt wurden: Die ersten Tiere gelangten aus dem Gebiet der heutigen Türkei vor 4400 Jahren vor Christus nach Südosteuropa. Im ersten Jahrtausend vor Christus kam dann eine weitere genetische Linie hinzu. So breiteten sich während des Römischen Reichs domestizierte Katzen aus dem Alten Ägypten aus. Sie erreichten Nordeuropa entlang der Handelsrouten im Mittelmeerraum. Damals bedrohten Nager nicht nur die Lager von Bauern, sondern auch die Vorräte auf Schiffen. Für einige hundert Jahre waren die Nachfahren jener ägyptischen Katzen weiter verbreitet als die aus den östlichen Gebieten. Heute findet sich das Genmaterial beider Linien in unseren Hauskatzen. Worin besteht der Unterschied zwischen Haus- und Wildkatze? In Deutschland gibt es Umfragen zufolge mehr als 13 Millionen Hauskatzen (Felis silvestris catus). Ihre wilden Verwandten gehören zur Spezies Felis silvestris, die sich in fünf Unterarten aufteilt. Nur eine davon, die afrikanische Falbkatze (Felis silvestris lybica), wurde erfolgreich gezähmt. Wildkatzen sind etwas größer als Hauskatzen und verfügen über einen buschigen Schwanz. Im Vergleich zu domestizierten Arten kennen sie nur Fauch- und Knurrlaute. Das klassische “Miau” kann nur die Hauskatze. Nach Meinung einiger Forscher dient es alleine der Kommunikation mit dem Menschen. In Deutschland nimmt der Bestand an Wildkatzen wieder zu. Nach Schätzungen leben bis zu 10.000 Tiere in deutschen Wäldern.

Solch ein sorgloses Dasein war nicht jeder Katze beschieden. Denn ihre Pelze wurden bis in jüngste Zeit verarbeitet – oft zu Innenfuttern von Mänteln, Stiefeln oder Pelzkragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg endeten die Tiere sogar so häufig als warme Kleidung für den aufkommenden Wintersport, dass Landwirte in Dänemark in Folge der starken Bejagung mit einer Mäuseplage zu kämpfen hatten. Deshalb forderten sie Schutzgesetze für Katzen.


Erst seit 2008 verbietet eine Verordnung der Europäischen Union den Handel mit Katzenfellen. Bis dahin war vor allem der Pelz von Kurzhaarrassen mit dichtem Fell beliebt, etwa für Rheumadecken. Angorakatzen blieben meist verschont, die feinen Haare der Tiere hielten sich nicht lange.

Immerhin: Zum Sattwerden mussten Katzen im Mittelalter in der Regel wohl nicht herhalten. Nur in Zeiten sehr großer Not könnten sie vereinzelt im Kochtopf gelandet sein, glauben Archäologen. Doch auch hier sind sich die spanischen Forscher aus El Bordellet nicht ganz sicher. Denn im “Llibre del coch”, dem ersten gedruckten Kochbuch in Katalonien, das 1520 erschien the north face thermoball, empfiehlt der Autor ein Rezept mit gebratener Katze. Dabei handele es sich, so schreibt er, um eine “sehr gute Speise – außer für das Gehirn.” Denn man könne, warnt er the north face schuhe, durch den Genuss leicht den Verstand verlieren.


1. Na ja,… ….dass der Dachhase durchaus – besonders im Bekanntenkreis meiner norditalien. Bekannten – bis in die 80iger schon mal eine Delikatesse war, das kann ich bezeugen.Nicht umsonst kaufte man beim Metzger Hasen, denen man z.B. […] ….dass der Dachhase durchaus – besonders im Bekanntenkreis meiner norditalien. Bekannten – bis in die 80iger schon mal eine Delikatesse war, das kann ich bezeugen.Nicht umsonst kaufte man beim Metzger Hasen, denen man z.B. an den Vorderpfoten nicht die Pelle abgezogen hat…Sozusagen als Öko-Prüfsiegel…
2. Dachhase heißen die bei mir daheim auch: Kopf ab , Schwanz ab -Hase! Insofern glaube ich schon, dass sie, wie Hunde auch, in schlechten Zeiten auch mal gegessen wurden. Oder wenn sie eh schon abgezogen waren. Auch die […] heißen die bei mir daheim auch: Kopf ab , Schwanz ab -Hase! Insofern glaube ich schon, dass sie, wie Hunde auch, in schlechten Zeiten auch mal gegessen wurden. Oder wenn sie eh schon abgezogen waren. Auch die Rheumadecke aus Katzenfell ist mir aus Anekdoten so vertraut (meine Urgroßmutter, alles andere als schwer reich, besaß wohl eine), dass ich davon ausgehe, dass das wohl längere zeit üblich gewesen sein muss.
3. Ja, so ein Katzenfell mit Hosenträgern habe ich vor nicht allzulanger Zeit mal gesehen, das hat man sich gegen Rheuma umgeschnallt. Ja, so ein Katzenfell mit Hosenträgern habe ich vor nicht allzulanger Zeit mal gesehen, das hat man sich gegen Rheuma umgeschnallt.
4. Nicht nur vor 1000 Jahren Auch heute noch zieren Katzenfelle viele ‘modische’ Artikel, die, genau wie damals, den Tieren bei lebendigem Leib über den Kopf gezogen wurden.Viel Spaß damit. Auch heute noch zieren Katzenfelle viele ‘modische’ Artikel, die, genau wie damals, den Tieren bei lebendigem Leib über den Kopf gezogen wurden.Viel Spaß damit.
5. Dachhase … wurden Katzen bei uns auf dem Land auch genannt. Sicher nicht ganz ohne Grund ;-) … wurden Katzen bei uns auf dem Land auch genannt. Sicher nicht ganz ohne Grund ;-)

Bitte deaktivieren Sie Ihren Adblocker!

So schalten Sie Ihren Adblocker auf SPIEGEL ONLINE aus!!!:

Klicken Sie auf das Adblocker-Zeichen in Ihrem Browser oder öffnen Sie in den Einstellungen den Bereich für Erweiterungen / Addons. Wählen Sie die Option Deaktivieren auf: spiegel.de (oder ähnlich), um eine Ausnahme hinzuzufügen. Vielen Dank! Seite neu laden

Sie haben einen anderen Browser?

Welche Bedeutung Werbung für SPIEGEL ONLINE hat, was wir für Ihre Sicherheit im Netz tun, wie unsere Redaktion arbeitet Fragen und Antworten finden Sie hier.