Geschlechterrollen im TVEigentlich alles wie 1975 the north face thermoball

FernsehenGeschlechterrollen im TV: Eigentlich alles wie 1975

Im deutschen Fernsehen und Kino gibt es zu wenig Frauen in Hauptrollen. Zu diesem Schluss kommt eine neue, senderübergreifende Studie. Nur: Das ist seit 40 Jahren bekannt. Zeit, dass sich wirklich was ändert.


Schauen wir mal kurz ins Abendprogramm: In der ARD läuft die Talkshow mit Sandra Maischberger, im ZDF die neue Runde mit Dunja Hayali, RTL zeigt “Die Bachelorette”, bei Sat1 gibt’s die Reportage “Crystal Meth: Mütter auf der Teufelsdroge”, auf RTL2 “Teenie-Mütter” und auf 3Sat eine alte Krimikomödie mit Christiane Hörbiger in der Titelrolle.


Frauen tauchen auf als ausgleichende Moderatorinnen, in Reality-Formaten um Herz-Beziehungs-Mutter-Kram und die 78-jährige ewig blonde Hörbiger ist eh ihre eigene Gattung, kurz: Die Rollen von Frauen in den deutschen Produktionen von heute Abend sind, nun ja, ein wenig einseitig.


Dass das nicht nur stichprobenmäßig so aussieht, sondern senderübergreifend Fakt ist, beweist nun eine neue Studie mit dem etwas geschraubt klingenden Titel “Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland”. Der ernüchternde Schluss: In 67 Prozent der Sendungen haben Männer eine Hauptrolle, Frauen nur in 33. Im Kinderprogramm kommen auf jede weibliche Hauptfigur vier männliche, Tiere, Roboter und Blumen inklusive. Die einzige Sparte, in der die Verteilung etwa pari-pari ist, sind Soaps.

Erkenntnis ja, Änderungen nein

Nur: Bahnbrechend neu sind solche Erkenntnisse nicht. Was zu erwarten wäre, wenn eine Studie mit Knall, Bumm, Päng vorgestellt wird – also mit ZDF-Intendant Thomas Bellut, der ARD-Vorsitzenden Karola Wille the north face jacke, Wolfgang Link, Vorsitzender der Geschäftsführung bei ProSiebenSat1, RTL-Programmchef Frank Hoffmann, der Geschäftsführerin der Filmstiftung NRW Petra Müller sowie Schauspielerin Maria Furtwängler, die mit ihrer Stiftung “MaLisa” jene Studie überhaupt erst initiierte. Doch der aktuelle Forschungsstand schnurrt zusammen auf eine Erkenntnis, die die Sender beschämen müsste: Eigentlich alles wie 1975.


Damals veröffentlichte der Medienforscher Erich Küchenhoff eine Untersuchung mit der Überschrift: “Männer handeln, Frauen kommen vor”. Die 2017er-Version dieses Satzes von Medienwissenschaftlerin Elizabeth Prommer lautet: “Männer erklären uns die Welt und führen durchs Programm” – nach 3500 durchforsteten Stunden auf 21 deutschen TV-Sendern, Vollprogramm wie Kinderfernsehen, Fiktionales, Infosendungen und Unterhaltung, dazu alle deutschen und deutsch-mitproduzierten Kinofilme zwischen 2011 und 2016.

All das wurde schon gesagt, nur eben noch nicht von allen. Aus Demonstrationszwecken hier mal eine Liste: Da ist die Untersuchung von Bundesprüfstelle und BMFSJ 1999, vom Grimme-Institut 2005, von der Gleichstellungsministerkonferenz 2010, vom BR-eigenen Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen und von Filmförderanstalt FFA, ARD und ZDF 2017.

“Das Bild ist jetzt komplett”, kommentiert Barbara Rohm von der Initiative ProQuote Regie die neue Studie: “Zur Emanzipation hinter der Kamera gehört die vor der Kamera notwendig dazu.” Sie glaube, die Zeit sei nun reif, endlich bewege sich wirklich etwas.


Zumindest betonten alle Beteiligten, dass es endlich ein Bewusstsein fürs Problem gebe. Wie schwachbrüstig das jedoch noch ist, demonstrierte das Panel gleich selbst: Da wurde neben “Wonder Woman” nach anderen Filmen mit Heldinnen gesucht und man kam mit Mühe auf Lara Croft, Catwoman und “Die Tribute von Panem”. Da fiel der Satz “Und die macht das sehr gut”, als es um die Besetzung einer Redaktionsleiterin ging. Da fiel die Formulierung: “Ich glaube nicht, dass Prinzip dahinter steckt” auf die Frage, weshalb es so wenige Nachrichtenmoderatorinnen bei einem Sender gebe.

Da erwähnte man als Positivbeispiele für Frauenhauptrollen die RTL-Serie “Magda macht das schon” über eine polnische Pflegekraft oder den Disneykinofilm “Frozen” über eine Prinzessin mit Wespentaille, Engelshaar und Klimperwimpern. Da sitzen drei über 50-Jährige Frauen auf dem Podium, die blond sind, nicht grau oder weiß, weil auf dem Schirm zu altern den Herren vorbehalten bleibt. Da wurde betont, wie wichtig dem ZDF geschlechtergerechte Arbeitsstrukturen seien, während zugleich eine “Frontal21″-Reporterin für Lohngleichheit klagen muss. Und da war es tatsächlich eine Frage wert, seit wann sich Furtwängler “als Feministin identifiziere”.


Ja, es wirkt bizarr, wieso es noch eine Studie braucht, die Altbekanntes bestätigt. Doch wenn Senderverantwortliche und Filmförderchefinnen nun tatsächlich Selbstverpflichtungserklärungen unterzeichnen, die Produktionsfirmen verpflichten, immer auch Regisseurinnen vorzuschlagen und perspektivisch eine Quote zumindest nicht mehr ausschließen, muss man dem Sog, den eine Persönlichkeit wie Maria Furtwängler auslösen kann, dankbar sein.

“Wir sind eine Vermittlerinstanz für Geschlechterbilder”, sagte ARD-Chefin Karola Wille. Stimmt. Jetzt bleibt nur noch: Machen, nicht quatschen.

Offenlegung: Anne Haeming ist Mitglied bei Pro Quote Medien e.V.
1. OK, dann bin ich mal gespannt wie ein Flitzebogen ob Robin Wright (House Of Cards), Rhea Seehorn (Better Call Saul), Evan Rachel Wood (Westworld), Taylor Schilling (Orange Is The New Black), Julia Louis-Dreyfus (Veep) etc. etc. […] OK the north face outlet, dann bin ich mal gespannt wie ein Flitzebogen ob Robin Wright (House Of Cards), Rhea Seehorn (Better Call Saul), Evan Rachel Wood (Westworld), Taylor Schilling (Orange Is The New Black), Julia Louis-Dreyfus (Veep) etc. etc. etc. ernsthafte Konkurrenz von ihren deutschen Kolleginnen droht.Allein der Name Furtwängler steht da für düstere Prognosen.
2. Film und Fernsehen wird für Zuschauer gemacht… und nicht für Quoten-Vereine.Der beste Regisseur setzt seinen Namen nicht aufs Spiel, nur um einer Quotilde gerecht zu werden.Noch kann man niemanden Zwingen einen Quotenfilm zu sehen – aber auch das kann man noch von der […] und nicht für Quoten-Vereine.Der beste Regisseur setzt seinen Namen nicht aufs Spiel, nur um einer Quotilde gerecht zu werden.Noch kann man niemanden Zwingen einen Quotenfilm zu sehen – aber auch das kann man noch von der DDR lernen (Beispiel: kollektives ins Kino gehen ).
3. Die Offenlegung am Schluss hätte es nicht gebraucht. Der Kommentar ist selbsterklärend. Die Offenlegung am Schluss hätte es nicht gebraucht. Der Kommentar ist selbsterklärend.
4. Das große Problem solcher Produktionen… …welche die Zuschauer erziehen sollen: Niemand will sie sehen. …welche die Zuschauer erziehen sollen: Niemand will sie sehen.
5. … Mal abgesehen von der Geschlechterverteilung.Sowas—Zitat—Da sitzen drei über 50-Jährige Frauen auf dem Podium, die blond sind, nicht grau oder weiß, weil auf dem Schirm zu altern den Herren vorbehalten bleibt. […] Mal abgesehen von der Geschlechterverteilung.Sowas—Zitat—Da sitzen drei über 50-Jährige Frauen auf dem Podium, die blond sind, nicht grau oder weiß, weil auf dem Schirm zu altern den Herren vorbehalten bleibt.—Zitatende—ist einfach nur Blödsinn. Ich bin Frau, über 50, nicht auf irgendeinem Bildschirm zu sehen und hab auch keine grauen oder weißen Haare. Zum einen, weil es die Genetik nicht hergibt (Newsflash: 50 ist nicht *alt*); aber selbst wenn das nicht der Fall wäre und die Kosmetikindustrie nachgeholfen hätte – Frauen färben sich tatsächlich auch die Haare einfach fürs Selbstbild, weil es ihnen einfach besser gefällt oder nicht. Ganz unabhängig von irgendwelchen Bildschirmen.Es gibt sicher eine Menge zu bemängeln, ich wünsche mir z.B. mehr Actionheldinnen… aber die Frage der Haarfarbe ist jetzt wirklich sehr weit hergeholt.

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